Notizen 

18.1.2023
Das Schreiben von Wörtern auf das Manuskriptpapier ist eigentlich eine Art Spiel, aus dem Flugzeug zu springen. Von diesem Gitter zu springen, ein Gitter nach dem anderem, zu sprengen, zu springen, herunterzuspringen. Der Unterschied besteht darin, dass Kinderspiele, die aus dem Gitter springen oder dem Flugzeug, Füße und Hände verwenden. Das Erklimmen des Gitters ist schmerzhaft, das Zerspringen des Gitters ist glücklich. 

In einigen Veröffentlichungen ist der Text horizontal angeordnet, so dass das Mädchen, das aus dem Flugzeug gesprungen ist, eine Krabbe werden musste. 

16.1.2021
Universitäten bauen eine Abteilung für Entwicklungsbehinderungen auf.
Das Leben geht immer weiter an einen niedrigeren Ort... 
wie weit soll ich mitgehen?
Es gibt keinen unbekannten Ort in den Universitäten.
Das eigene Leben zu entlarven, geschieht nicht dort.
Eine Einrichtung als 'Service' zu bezeichnen, ist dasselbe, wie Diskriminierung 'Lifestyle' zu nennen.

08.1.2023
Nach Heirat und Geburt verstand A. fast sofort, wie sich das Terrain des Lebens verändert.

Es ist ein bisschen ein bisschen ein bisschen und ein bisschen ein bisschen was ein bisschen ein bisschen mit einem bisschen mit einem Bissl mit einem Bissel mit einem Biss mit einem Biss. Ein bisschen beißend. Es ist ein Witz.
»Wo gehst du unter?«

A. die wie ein Feuerwerk lebte…
Einige Jahre lang. 
Im Erlebnisheim des Löwenzahnbehinderten-Selbstlebenszentrums, dann in der perfekten Anordnung, kein Zeichen von Müdigkeit.
Die Harmonie, die Traurigkeit.
Das Alter der Jahre.
Es war zu heiß.
Die Harmonie von weniger als fünf Fingern.
Hinzu kam Einsamkeit.
»Ich habe gelebt, bis ich im Juli einen Blick auf das Erlebnishaus der Pusteblumenhalle werfen konnte.« sagte sie.
Und später am selben Tag:
»Das Gesetz hat so überlebt, wie es ist,
aber ich habe nicht überlebt.«

Ihr Leben ist nun das Verhältnis zwischen dem Jahr des Jahres des Jahres des Jahres im Jahr des Jahres des Jahres des Jahres des Jahres. 
Es ist eine Beziehung, die sich für sich aufgebaut hat.
Mitten am Tag.
Sie trifft sich.
Es tut mir leid.
Ihr Leben und ihre Anwesenheit. 
Denk daran, dich zu erinnern.
An vorderster Front der Über-see-ufer-anlage.
Über-feuer-anlage denke ich über sie nach.

Wie wir atmeten mit einer Person, die mitten am Tag war.

6.1.2023
Sie wissen nicht, wie später die Antworten der Kinder je nach Gebiet variieren würden, wenn Verbrennungsklassen in der ersten Klasse schon stattfinden.
Zeit und Lebensarten, wie sie in Convenience-Läden verkauft werden... wer kann, kann.... Es ist wichtig, auf Verzerrungen zu verzichten... 
Wie man die Nüsse der Frage ausnutzt?

5.1.23
Künstlerin, Wachposten, Reinigungskraft und auch ein soziales Molekül, das von Arbeit-profitiert-sein. 
Hoch und Tiefmoment in unserer Karriere. 
Kernethik: zuerst markiere den Himmel, öffne das Herz, stelle die Verkaufspreismarke niedrig. (Aktienmarktlohn, letzteres Einkommen, persönliches Gehalt, butterfinanzierte Käufer, Stundenkosten, Beschäftigungsquoten.) 

Könnte ich die Ursache für den Rückgang der Privatbeschäftigung sein?

2.1.2023
Jetzt ist alles fertig, ich kann hundert Jahre lang schlafen. 
Der Dichter steht vor einem großen Bildschirm und durchbohrt den Dirigenten, er bezweifelt die Identitäten des Schauspielers und seine zu detaillierte Beschreibung des Reisetagebuches.
Dennoch sei es dem Autor gelungen, eine unbekannte Dunkelheit auf die Abwesenden zu werfen und ein neues Ereignis auszulösen.

1.1.2023
Mexikanische Zauberfamilie schweißt Feuerwerk. Gehörnte Frauen, Serienmörder-Tagebuch, Lüftungen, Böen, Böen, Böen, Winde.
Selbst die riesige Herde akzeptierte die Dunkelheit. 

Das Glücksempfinden, als die Pferde vom Nachbarn ausbrechen, die Straße herabgaloppieren und alles andere still ist. 

2020

6.2.2020 
Ein Tag, der mit Spektrum beginnt, mit Spektrum bezahlt wird und mit Spektrum endet. 

5.2.2020 
Gestern habe ich wohl den Anschein hinter- lassen, als gäbe es hier etwas von innen zu sehen. Das sich eine Ernte aus den Inneren Kämpfen ergeben würde. Natürlich nicht. 
Trotzdem war es sehr bequem zu plaudern. Es war sehr warm. Konfuziös vielleicht. 

30.1.2020 
Ich habe verdrängt, dass es ein Format zu füllen gilt. Ich habe ausgeblendet, dass man das alles räumlich abdichten muss, dass am Ende eines Experimentes zwangsweise die Auswertung steht, und dass das bedeutet, einen Raum zu füllen, in dem ich nicht anwesend bin. 

22.1.2020 
Abenddämmerung. Ein älterer Herr ordnet Pappkartons in einem Hinterhof, ich sehe ihn von der Erhöhung meiner Terrasse aus. Eine Traurigkeit von hundert oder tausend Jahren Wiederholung durchströmt ihn. 

14.1.2020 
Das Flattern, das durch den Regen gelaufen kam. Fluchtversuche und Scheinziele. 

11.1.2020 
Ich wünschte, ich könnte die Uhr lesen, dann würde ich sie bis drei Uhr nachts lesen. Eine Drei-Uhr-Challenge machen. Ich will endlich, dass mich der Teufel auch mal anhaucht. 

10.1.2020 
Während ich meine Stimmung in einem Taxi reiten lasse, mich auf die Blumengeschichte und den Regen konzentriere, versuche ich den Gedanken an den Tag zu vertreiben, an dem man stattfindet. 

9.1.2020 
Expressfrühstück im Bambusgarten. Eklektische Vogelstimmen verführen mich dazu, mich regungslos treiben zu lassen. Ich weiß das es ein Betrug ist, dem ich nachgebe. Die zielgerichteten Handlungen minimieren. Koi-Karpfen bei Zoo Kölle fütternd denke ich, dass dieser Vorfall zu einer Person geworden ist, die sich unruhig und strebsam fühlt. 

7.1.2020 
Wenn man sich mit Feiertagen im Süden nicht auskennt und den ganzen Tag aquarelliert hat, um dann im Burger King gesagt zu bekommen: »Der Rebel Burger dauert lange«, dann sitzt man auf der Bank und wartet. Rückenlehne aus Buchenholz-Imitat, mit einem eingelassenen Schriftzug, in handschriftlichem Stil, da steht: »Geschmack ist King«. Kurz raschelt es im Archiv und F.E.W. ruft aus den fernen ersten Hochschultagen: »Geschmack gibt es nicht!« Da kommt das ganze Sich-selbst- Torpedieren im Elfenbeinturm stillschweigend zu einer vollkommenen unklaren Pointe. 
Dem Rebel Burger musste man sich zuordnen, weil klar ist, dass der gesamte Organismus für einen Doppelcheesewhopper überhaupt nicht genügend Vorbildung hat. 

6.1.2020 
Ich halte die Täuschung kaum lange genug vor mir verborgen, ich weiß ja doch, dass es ein Schwindel ist. 

5.1.2020 
Leise konfrontiere ich den Pinsel mit dem Lineal. Leute, die gelegentlich vorbeischauen, werfen ihre Blicke. 

4.1.2020 
Hier ein wandelnder Widerspruch sein. Die gekrümmte Linie als Maß nehmen. Da, wo es schwammig wird, stellt sich eine Empfindung von Zusammenhalt ein. 

3.1.2020 
Sonntag habe ich einen Satz aus mir herausgehetzt, er war ganz gut. 

2.1.2020 
Je mehr ich auf sie zuzugreifen versuche, um so mehr verhärtet sich die Welt. 

28.12.2019 
Das Kind sagt: »Aua«, ich frage: »Wo tut es weh?«, es sagt: »Da drüben.« 

21.12.2019 
Ich bin es leid, die andere Seite, die Seite gekrümmter Bücherwesen, dazu zu bringen hinauszugehen, um festzustellen, dass die Menge duftet. Auch hier werden Windböen vom Atem eines Lebewesens umher geblasen, wird Staub aufgewirbelt, gibt es keine Antworten auf die kleinen Beunruhigungen. 

24.11.2019 
Studio: Hier gibt es nur zwei Beleuchtungen, Zigaretten und Neonlicht. Ich schaue den Farben beim Aufsteigen zu und den Filtern schaue ich zu, wie sie zer- brennen. Mit der Illusion eines festgelegten Endpunktes werde ich nicht fertig, auch dann nicht, wenn es nur einer von vielen sein soll. 

20.10.2019 
Von den Pfaden, für die Täuschung ein Mit- tel ist, um sich Freiheiten zu verschaffen, halte ich mich ab. Ich verbiete mir, mich herzustellen. Die Geschenke dieser Freiheiten, ihre Voraussagen, sind mir zu bestimmt und ich frage mich, ob es sein kann, dass sich die Wege schon davon gemacht haben, die sie uns versprechen? 
Die Anzahl der Knochen meines Körpers wird mit 206 benannt. Aber ich habe das Empfinden einer zusätzlichen Rippe auf der linken Seite, bin mir nicht sicher über die Lage meines Herzens und möchte auch äußerlich eher formlos genannt werden. Da ich mich innerlich nicht überprüfen kann, wäre das nur gerecht. 

12.10.2019 
Auf dem umständlichen und langsamen Weg zur Unkenntnis gelangen, um anfangen zu können. Ein Studium zufälliger Begegnungen. Den Bewegungen nachgehen, ohne zu wissen, was ich suche. 
Dem, was sich entwickelt, nicht im Wege stehen. Sich verunreinigen lassen durch Fundstücke, Fragmente, zu vieles, um es zählen zu können. Ich wähle einen Ausschnitt. Was einem nach Beweisen suchenden Blick entgangen ist ... Stinkendes, Zerbrechliches, etwas das abfärbt. Etwas, das seine Wirkung an anderer Stelle erst zeigt.

8.10.2019 
Ich gehe schlafen, das malt sich von selbst, das Filterpapier macht dort weiter, wo ich aufhöre. Nach dem Aufwachen sieht es auf fantastische Weise locker und schlecht gemacht aus. 

6.10.2019 
Habe das Papier in eine Wanne mit Farben gestellt. Sie sind alle zusammen. Über Nacht werden sie sich trennen, indem sie aufsteigen. Es geht im Kreis. Ein Prisma für Dunkelheiten. Alles verdichtet sich. Nachdem das Schwarz das Filterpapier durchwanderte, zerlegte es sich in seine Bestandteile, beschreibt eine verborgene Vielzahl 

1.10.2019 
Es kommt weder zu einem vollständigen, noch zu einem organisierten Denken. 

18.9.2019 
Ich bin nicht nur das, was sich hier auf dem Stuhl versammelt hat. Gleichzeitig verschimmeln die Bohnen im Zellophan. Sie flüstern mir zu: »Wir simulieren gemeinsam eine Wirklichkeit in ungeordneter Sprache.« Ich antworte: »Komm, wir werden weiter«. 

16.9.2019 
Eine ernstzunehmende Zerstreuung.

15.9.2019 
Oft sind es dieselben Gründe, die einen in die Flucht jagen oder zum Bleiben veranlassen. Die Widersprüche, das Ergebnislose, das Schaudern vor dem Moment, in dem das Denken sich selbst nicht mehr folgen kann. 

14.9.2019 
Die Ausdauer an der Auflösungsarbeit variiert nach einem geheimnisvollem Kriterium, dasjenige nämlich, das daraus entsteht, dass das Studio der Ort ist, an dem ich mich brauche, ohne an mich zu denken. 

10.9.2019 
Dreitausend Pinselstriche. Wenn sie zusammen spielen, kommt es zu Materie. Eine höfliche Geste, die Geduldskarte zu spielen und nicht einzugreifen, wurde von sich erbeten. 

9.9.2019 
Im Institut für moderne Kunst lese ich bei Willi Baumeister: »Die Treue zu sich besteht aber in der Kunst darin, immer wieder den Sprung ins Ungewisse zu wagen, auch auf die Gefahr hin, zu irren.« 

7.9.2019 
Wenn du weniger Essen isst, nur ein paar Tassen Kaffeeperlen im Monat trinkst, kannst du den letzten Punkt der Freiheit halten, den ich mir spare, warum? 

5.9.2019 
Es geht nicht um mich, aber möglicherweise geht es darum: meine Limitierungen zu finden. 

2.9.2019 
Es gibt Reinigungskräfte und es gibt Verunreinigungskräfte, beide wohnen in mir. Es gibt eine Chemikerin, aber es gibt keine Chemie. Es gibt eine Meisterin, aber tatsächlich ist sie ziemlich glatt, wie ein Kleber, sie möchte anhaften und gefallen, sie ist strebsam, auch wenn niemand sie so nennt. 

1.9.2019 
Heute habe ich ein neues Werkzeug gefunden. Jetzt bloß keine Ideen haben, bevor es mich an die Hand nimmt, um seine eigene Sprache zu finden. 









Notes 

6/2/2020 
A day that begins with a spectrum is paid for with a spectrum and ends with a spectrum. We are containers of light and salt. 

5/2/2020 
Yesterday I apparently left the impression that there would be something to be seen. That there would be a harvest from the internal struggles. Of course not. Still, it was very convenient to chat. 
It was very warm. Confuciously so, maybe. 

30/1/2020 
I have suppressed the requirement to fill a format. I blanked out that all of this has to be sealed off spatially, that at the end of an experiment the evaluation is inevitable, and that this means I need to fill a room in which I am not present. 

22/1/2020 
Dusk. An elderly gentleman arranges card- board boxes in a backyard, I observe him from the height of my terrace. A sadness of repetition of a hundred or a thousand years flows through him. 

17/1/2020 
Up to here it went well without ideas, now comes the expectant shudder. Watered down, diluted, unaccompanied, escalating. To rampant the blind spot, it is expanding. 

14/1/2020 
The flutter that came running through the rain. Attempts to escape and illusionary goals. 

11/1/2020 
I wish I could read the clock, then I would read it until three in the morning. To do a three o’clock challenge. I finally want the devil to breathe on me, too, for once. 

10/1/2020 
While I am riding my mood in a taxi, concentrating on the flower story and the rain, I try to ward off the thought of the day on which I will have to take place. 

9/1/2020 
Express Breakfast at the Bambusgarten. The eclectic birdsongs tempt me to let myself drift off into the realms of relaxation. Well, I know it is fake but I give in. Minimize the target-oriented actions. Feeding the Koi carps at Zoo Kölle, I think that this incident has become a person who feels restless and ambitious. 

7/1/2020 
You are not familiar with public holidays in the south and have been painting watercolours all day and then you are told at Burger King that »The Rebel Burger takes a long time«. You sit on the bench and wait. The backrest made of imitation beech wood, with an inset lettering, in handwritten style, it says: »Taste is King«. There is a brief rustle in the archive and F.E.W calls from the distant first days of university: »There is no taste!« Then the whole self-torpedoing in the ivory tower tacitly comes to a completely unclear punch line. 
You had to assign yourself to the Rebel Burger because for the Double Cheese Whopper the entire organism clearly lacks the training. 

6/1/2020 
I barely keep the deception hidden from me long enough, I know it is a hoax. 

5/1/2020 
Quietly I confront the brush with the ruler. People who stop by occasionally take a look. 

4/1/2020 
Be a walking contradiction here. Take the curved line as a measure. Wherever it gets diffuse, there is a sense of cohesion. 

3/1/2020 
Sunday I rushed a sentence out of me, it was quite good. 

2/1/2020 
The more I try to access it, the more the world condenses itself. It hardens and withdraws.

28/12/2019 
The child says: »Ouch«, I ask: »Where does it hurt?«, it says: »Over there.« 

21/12/2019 
I am tired of getting the other side, the one of crooked books, outside to find out that the crowd is fragrant. Here, too, gusts of wind are blown around by the breath of a living being, dust is whirled up, here too, there are no responses to the small disturbances. 

24/11/2019 
Studio: There are only two illuminants here, cigarettes and neon lights. I watch the colours as they rise up and I watch the filters burn down. I cannot cope with the illusion of a fixed end point, even if it is just one out of many. 

20/10/2019 
I keep away from the paths for which deception is a means to obtain freedom. I bar myself from creating me. The gifts of this freedom, their predictions, are too definite for me. I am wondering if it may be that the paths they promised us have already taken off? 
The number of bones in my body is said to be 206. But I have the feeling of an additional rib on my left side, I am not sure about the position of my heart and I would like to be called shapeless from the outside also. Since I cannot check myself internally, this would only be fair. 

12/10/2019 
Choosing the cumbersome and slow path in order to become clueless and able to find a beginning. A study of chance encounters. Without knowing what I am looking for I follow the movements. 
To not stand in the way of what will come of it. Let yourself be contaminated by findings, fragments, too much to count. I choose a section. What escaped my search for evidence ... Something smelly and fragile, something that rubs off Something that shows its effect elsewhere. 

8/10/2019 
I go to sleep, it paints itself. The filter paper will continue where I called it quits. When I awoke, it looked relaxed and badly done in a fantastic way. 

6/10/2019 
I condescend the paper in a tub with colours. They are blurred into each other. Throughout the night they will separate by ascending. Moving in a circle. A prism for darknesses. Everything condenses. After mi- grating through the filter paper, the black disassembled into its components, describing a hidden multiplicity. 

1/10/2019 
There is neither complete nor organized thinking. 

18/9/2019 
I am not just what has gathered here in the chair. At the same time, the beans in the cellophane are molding. They whisper to me: »Together we simulate a reality in a disordered language.« 
I answer: »Come, we’ll evolve further.« 

16/9/2019 
A serious distraction. 

15/9/2019 
It is often the same reasons that make you flee or urge you to stay. The contradictions, the lack of results, the shudder in the light of the moment when thinking can no longer follow itself. 

10/9/2019 
Three thousand brushstrokes. When they play together, they create matter. A polite gesture to play the patience card and to avoid any intervention had been requested. 

9/9/2019 
At the Institut für moderne Kunst I read Willi Baumeister: »In art, loyalty to oneself is to always take the plunge into the unknown, even at the risk of being mistaken.« 

7/9/2019 
If you eat less food and only drink a few cups of coffee pearls a month, you can hold on to the last point of freedom that I save myself from. Why? 

5/9/2019 
It’s not about me, but it may be about finding my limitations. 

2/9/2019 
There are cleaners and there are contaminants, both live within me. There is a chemist, but there is no chemistry. There is a master, but in fact she is quite smooth, like a glue, she wants to adhere and please, she is ambitions, even if nobody calls her that. 

1/9/2019 
Today I found a new tool. Now I have to beware of ideas. Not to have any, before the tool takes me by the hand to find its own language. 

»Ich wiederhole, Sie sollten näher kommen. Das Wasser – bitte näher kommen. 
Also, ich freue mich, dass so viele den Weg hierher gefunden haben.« 

Dialog auf Grundlage eines Gespräches zwischen Manfred Rothenberger und Lily Wittenburg in der Reihe Regalgespräche am 4.2.2020 im Institut für moderne Kunst Nürnberg. 

Erschienen in: DEN KERN DER TÄUSCHUNG VERFEHLEN

 Manfred: Lily Wittenburg ist Stipendiatin des Marianne-Defet-Malerei-Stipendiums. Dabei ist sie nicht unbedingt als Malerin bekannt. Wir dachten uns, wir suchen jemanden, der zwar mit Farbe arbeitet, in dessen Arbeit aber der Pinsel nicht im Mittelpunkt steht. Joshua Groß hatte das Buch Der gesprengte Zwischenraum von Lily entdeckt und wir fanden es interessant und dachten, sie hat vielleicht etwas mit Malerei zu tun. Oder aber doch nicht wirklich. In unserer Liebe zur dialektischen Antithese haben wir dann versucht, sie aufs Glatteis der Malerei zu führen. 

Lily: Als Malerin begreife ich mich tatsächlich nicht. Aber ich begreife mich sowieso überhaupt nicht als Kategorie. Viele Künstlerinnen arbeiten ja nicht mehr rein als Malerin oder Bildhauerin; es gibt Installationen, Gefüge, Zusammenschlüsse. Tatsächlich habe ich gerade die Malerei bei meinen Experimenten immer aus- geklammert. Oder zumindest hätte ich nichts von dem, was ich gemacht habe, als Malerei bezeichnet, auch wenn es ein Näheverhältnis zur Malerei gab. Wegen meiner Angst vor Pinseln habe ich sie bislang immer ver- mieden. Weil die – zumindest in meiner Hand – sehr unpräzise sind, weil sie so weich sind und so schlupperig. Sie machen nicht was ich will, aber sie machen auch nichts von selbst. 

M: Aber du hast schon Pinsel aus der da Vinci Künstlerpinsel- fabrik mitgenommen? 

L: Ja, ich habe sehr viele mitgenommen und verwende sie auch! Die Malerei hatte für mich immer eine große Fernwirkung. Aber sie war unnahbar, weil sie so tief verankert und so stark verhandelt ist. Wenn ich mich jetzt mit dem Pinsel konfrontierte, dann wollte ich die Malerei als Herausforderung nehmen, als etwas, das ich sowohl inhaltlich als auch haptisch überhaupt nicht be- herrsche. Ich habe das Stipendium also als guten Anlass genom- men, mich meinen Vermeidungsstrategien und meinem Hang zur Kontrolle in einem neuen Feld zu stellen. 

M: Was hast du denn im Atelier gemacht? 

L: Ich habe mir vorgenommen, drei Monate lang nur Experimente zu machen und so zu tun, als müsste ich niemals irgend- jemandem etwas zeigen. Als müsste das gar nicht irgendwo ankommen. Vor zwei Jahren bekam ich ein Kind und habe eine Pause vom Arbeiten mit Material gemacht. So kam ich hier an. Mir war klar, ich will nicht da weitermachen, wo ich aufgehört habe, und versuchen besser zu werden in dem, was ich vorher gemacht habe. Ich will mir einen Elfenbeinturm auf Zeit bauen, mit ganz vielen Werkzeugen, die mir neu sind, und mich komplett torpedieren und verunsichern. In den Jahren nach meinem Diplom gab es selten Unterbrechungen im Tun, da ist es nicht so leicht, sich wieder als Anfängerin zu behaupten. Man verengt sich ja immer. In allen Professionen kommt es zu einem vermeintlichen Besserwerden, einem Mehr- wollen. Man wird geschmeidiger, man kommt weiter, und man weiß: So, das kann ich, und das kann ich nicht. Da passiert es schnell, dass das Weitermachen sich auf bereits Bekanntes ausrichtet. Ich befand mich also in einem Zustand, in dem ich dachte, ich will mir selbst ein Bein stellen. Ich möchte gegen Wände laufen. Da hat mir jemand gesagt: Malerei! Oh Gott, Malerei, Hilfe! Also ganz viele Pinsel nehmen, keine Ahnung haben, wo anfangen und anfangen. Farben nehmen und malen, ohne Idee. Als fiktive Anfängerin – ich kann ja nur spielen, dass ich wieder Anfängerin sei – habe ich da gesessen und gewartet. Es ist schwierig, so zu tun, als ob man nicht wüsste, was gelungene und was ungelungene Kunst ist. Jetzt ging es darum, genau dahin zu gehen, wo es mir am allerpeinlichsten ist. Sie müssen wissen: Über Jahre habe ich Linien auf Papier gezogen. Feine, schnurgerade Linien. Das war himmlisch, eine wunderbare Versenkung. Es gab eine Reihe anderer Unternehmungen, die experimenteller waren, mit Lack auf Gläsern, mit Licht und Staub. Aber Linien zu ziehen, das beruhigt mich, da geht es mir gut. Also habe ich mich hingesetzt und gesagt: Ich darf keine Geraden, ich mache jetzt in Farben. Ich habe mir Chromatographie-Papier besorgt, das die Farben aufsaugt, das sie zerlegt. Ich bin dahin gegangen, wo es für mich nicht mehr kontrollierbar ist und wo ich nicht mehr auf meinen Geschmack vertrauen kann. Auch um in diesem Spiegel dann vielleicht zu finden: Was ist eigentlich Geschmack? Mein Professor sagte immer, »Geschmack gibt’s nicht, Geschmack ist kein Kriterium in der Kunst.« 

M: Was hat er denn stattdessen als Kriterium vorgeschlagen? 

L: Es gäbe gute und es gäbe schlechte Kunst. Das Thema würde hier den Rahmen sprengen. Aber wenn ich mir kuratierte Gruppenausstellungen anschaue, scheint mir da oft sehr viel persönlicher Geschmack darin zu sein. Die Dinge sind geschmeidig miteinander, wie eine gute Playlist. Es gibt Ausstellungen, die sind wie eine House-Playlist und welche, die sind eher eine Stockhausen-Playlist. Ich sehe eigentlich selten, dass da dann plötzlich ein Wagner reindrischt. Na und? Ich bin auch so, es gibt Dinge, die mir gefallen, mit denen ein Wohlfühlen einsetzt. Aber es geht ja nicht nur darum, dass man sich persönlich wohl fühlt. Da bin ich auf einem zu gesicherten Boden. Und den wollte ich kaputt machen. Was mir auch gelungen ist. Ich habe jetzt ganz peinliche Bilder gemacht – für mich sind sie sehr peinlich. 

M: Marktstrategisch gesehen ist das ja eine Katastrophe.

L: Ja, es ist auch für mich persönlich eine Katastrophe. 

M: In der Kunst geht es ja oft um eine schnelle Wiedererkennbarkeit in der Handschrift. Einen Stil, der mir sagt, diesen Künstler kenne ich. Die Galerien leben davon. Nur wenn man so bekannt ist wie Gerhard Richter ist es möglich, mal seine Hand- schrift völlig auszutauschen, etwas ganz Neues zu machen. Und dann ist es natürlich die Oberkühnheit. Aber wenn man noch gar nicht richtig gesehen wird in der Kunstlandschaft, dann ist es ein ziemlicher Harakiri-Weg, den du da gehst. Auf jeden Fall zeugt es von einem großen inneren Mut. Wenn du das öfter tust, musst du damit rechnen, dass immer, wenn jemand begonnen hat, dich zu begreifen, du schon wieder um die nächste Ecke bist. So schnell, dass dir dann keiner mehr folgen kann. 

L: Ja, es könnte als Trickster-Vorgehen gelesen werden. Als würde ich mit Täuschungen spielen. Aber als »Strategie« würde ich dieses Zickzack-Manöver in die Mehrdeutigkeit nicht be- zeichnen wollen. Für mich, in dem Kontext, in dem wir uns gerade befinden, ist Widersprüchlichkeit wichtig. Es gibt zur Zeit eine große Nostalgie und eine apokalyptische Vorstellung von Zukunft. Beides steht auf unangenehme Weise fest. Vielleicht sorgt eine allgemeine Zukunftsangst dafür, dass man bei dem bleibt, was man kennt, man schaut zurück auf das, was man hatte, und man versucht, zu bewahren und gerade Wege zu sich hin zu bauen. Ich sehe da ein starkes allgemeines Verlangen, erklärbar zu sein, um sich als handelnder Teil der Gesellschaft zu empfinden. Identitäten werden, das ist mein Eindruck, wieder so deutlich und so eindeutig wie möglich gebaut. Selbst unter denjenigen, die sich als randständig begreifen. Wir befinden uns zwar gleich- zeitig in einem wahren Wirbelsturm der Zeichen, in wilden Collagen aus Zugehörigkeiten, aber auch diese sind letztendlich Abgrenzungen. Es scheint mir, als greift gerade eine etwas angstbesetzte Geradlinigkeit um sich. Auch in der Kunst, finde ich, gibt es viel Angst. Oh Gott, wenn ich meine Arbeit nicht theoretisch versiegeln kann, um sie dann mit großer Geste auf lässige Weise, (obwohl hart erarbeitet) in die Ausstellung zu stellen, dann wird sie nicht genug Knall haben. Ich werde ertrinken. Vieles will immersiv sein, den Betrachter gänzlich für sich einnehmen, ihn umhüllen und überwältigen. Diese Haltungen sehen mutig aus, aber ich nehme an, dass es Limitierungen darin gibt, die nur auf den ersten Blick wie Freiheiten aussehen. 

M: Du bist seit knapp fünf Monaten hier. Es sollen ein kleines Buch entstehen und eine Ausstellung. Das ist ein enger Zeitplan – man kommt hier an und muss schon ab der zweiten Woche da- rüber nachdenken, was zeige ich in der Ausstellung und wie schaut das Buch aus? Für große Experimente mit ganz neuen Materialien und Techniken ist da eigentlich gar kein Raum. Mich interessiert natürlich brennend, ob es diese Ausstellung geben und wie sie ausschauen wird? 

L: Ja, ja, ja. Die Schwierigkeit besteht darin, dass das Format »Ausstellung« so durchchoreographiert ist. Es gibt viele ungeschriebene Regeln in diesen vermeintlich befreiten Räumen. Wie in den meisten Institutionen, in die wir reingehen, wie die Kleinfamilie zum Beispiel auch, sind da so starke unsichtbare Triebkräfte am Werk. Es ist ganz schwer, damit zu brechen. Es ist fast unmöglich, zu sagen: Das ist ein Ausstellungsraum, aber keine Ausstellung. Da bleibt am Ende oft nur eine Geste übrig. Ich lebe in einer Kleinfamilie, aber es ist keine Kleinfamilie. Ich weiß auch nicht, wie das geht, es ist verdammt schwer. Die Ausstellung jedenfalls wird es geben, sie ist schon vorbereitet. Die Unordnung meiner Suche ist jetzt ganz ordentlich in den Raum gehängt, ganz klassisch, das heißt, ich habe zumindest bis jetzt noch keine andere Lösung gefunden. Einerseits gibt es eine Verweigerung, ein Kämpfen mit den Rahmen- bedingungen, und andererseits finde ich es zu wenig, nur Nein zu sagen und eine Vermeidungshaltung vorzuführen. Vielleicht macht sich jemand auf den Weg, fährt 15 Minuten U-Bahn, steigt aus und kommt Schauen, dann bin ich Gastgeberin und möchte nicht, dass dieser Jemand seine kostbare Lebenszeit verschwendet. Natürlich verschwenden wir andauernd kostbare Lebenszeit, das passiert einfach und dafür kann ich nicht die Verantwortung übernehmen, aber zumindest eine Folie möchte ich herstellen, etwas anbieten, aus dem heraus etwas entstehen könnte, eine Begegnung zum Beispiel. 

M: In meinem Berufsfeld begegnet mir so etwas nicht oft. Eine Künstlerin, die ein Stipendium kriegt, die sagt: Hilfe, ich will gar keine Pinsel oder zumindest nicht so viele. Und ich will auch keine Ausstellung. Das ist ja das totale Gegenteil von dem, was normalerweise pas- siert, wie dieser ganze Kunstbetrieb funktioniert. Alle wollen immer gleich die dicken Pinsel und die große Ausstellung. Da bist du wie ein Sandkorn im Uhrwerk.

 L: Nein, es läuft immer noch weiter, das Uhrwerk ist zu groß für ein einzelnes Sandkorn. Es ist auch nicht unbedingt mein Anliegen, den Betrieb zu stören, so spannend finde ich ihn gar nicht. Es ist aber ein Feld, in dem mir eine andere Form von wilder Intelligenz trotz allem möglich erscheint, in dem es Fragen gibt, die ich verfolgen möchte; aber im Gefüge geht es mir zu oft darum, sein »Ding« herzustellen und das finde ich nicht sehr interessant. Diese Ding-Idee-Identitäten- Verschmelzung wird gerade viel spannender in der Mode verhandelt und natürlich in der Warenwelt, da auch. 

M: Erzähl doch mal, was Chromatographie ist und wie du überhaupt auf die Idee kommst, mit dieser Technik zu arbeiten. 

L: Ein Chromatographie-Papier ist ein Filterpapier. Mit Chemikalien getränkt wird es für Testverfahren wie Urintests benutzt. Es ist ein saugfähiges Papier mit einer feinen Kapillarstruktur. Trägt man da jetzt Farbe auf, die ein Mischverhältnis hat, zum Beispiel mit einem schwarzen Filzstift, fächert sich das Schwarz in seine verschiedenen Bestandteile auf. Das heißt, Gelb wandert weiter als Rot. Das Papier sortiert Partikel durch die Bewegung der Sogkraft. Es ordnet sie unter ganz eigenen Gesichtspunkten. Es hat etwas Prismatisches, es entsteht ein Spektrum. Mich interessieren Vorgänge, bei denen man an eine Grenze von Sichtbarkeit gelangt oder an eine Grenze davon, etwas ausmessen zu können. In der Vergangenheit habe ich mich mit Staub und Licht oder mit radioaktiven Stoffen beschäftigt. Es ging mir auch in früheren Arbeiten um Dinge, die unheimlich sind, die wir aber immer um uns haben, mit denen wir ständig agieren, die ein ganz wesentlicher Bestandteil unserer Lebenswirklichkeit darstellen. Im Grunde genommen sind sie aber nicht zu begreifen, außer wir wären Physiker. Ich bin in einem alten, dunklen Bauernhaus groß geworden und habe stundenlang in der Küche gesessen und mir Staub angeschaut. Und war fasziniert, wie da ein dimensionsloser Raum ist, der nur manchmal aufscheint. Das war ein kindlicher Blick auf die Mikro-Elemente im Alltag. Die Frage war, wo diese unheimlichen Prozesse noch messbar sind oder wo wir Übergänge wahrnehmen können, wo es zu einer tatsächlichen Begegnung zwischen uns und diesen Kräften kommt. Wo sich das Berühren tatsächlich er- fahren lässt und nicht nur eine Idee ist. Viele Phänomene können wir ja mit bloßem Auge nicht erkennen. Wir sehen die Betonverschalungen gegen das radioaktive Atom, aber das Atom könnte auch eine Erfindung sein. Also fragte ich mich: Wie diese blinden Flecken beschreiben, wie sichtbar machen, dass wir nichts sehen? 

M: Am 8. Oktober 2019 schreibst du: »Ich gehe schlafen, das Bild malt sich von selbst.« Du nimmst diese Papiere, du trägst Farbe auf, gehst ins Bett und schaust am nächsten Morgen, was passiert ist. Und es passiert was. Dann schmeißt man etwas davon weg, hebt etwas anderes auf, und dann ist eine Ausstellung fertig? 

L: Das war eine sehr arbeitssparende Maßnahme. 

M: Mehr willst du nicht dazu sagen? 

L: Ich weiß nicht, vielleicht, vielleicht, vielleicht. »Vielleicht« sage ich immer gerne. Es ist nicht so spektakulär, wie es klingt. Leider. Aber vielleicht nächstes Mal, vielleicht wird dann der Weg sichtbarer. 

M: Mhm ... 

L: (lacht) Ja, das ist schwer, wenn man selber denkt: Das war jetzt spektakulär, wie ich im Kreis gerannt bin und was ich mir überlegt habe. Aber was es am Ende zu sehen gibt, ist überhaupt nicht so zerrissen und widersprüchlich und nervenaufreibend und heiter wie der Weg dahin. Der Weg, der in die Ausstellung führt, ist nicht sichtbar, da sie als quasi erstarrtes Produkt am Ende vieler Versuche steht. Außer es ist eine Erklär-Ausstellung, was mir nun auch wieder nicht richtig erschien. 

M: Du bist jemand, der sich mit Text, mit Sprache, mit Literatur, beschäftigt. Auch das ist in der Kunst nicht so häufig. Zumindest ist es mir nicht so oft begegnet. Auf der anderen Seite scheint mir auch das Handwerkliche, das Material für dich sehr wichtig zu sein. 

L: Ja, die fast gespenstische Materialität von Dingen, die wir nicht greifen können. 
Das kann das Material: Es kann eine wirklich andere Sprache sprechen oder eine andere Intelligenz haben, durch die ich mich gerne vom Weg abbringen lasse. Unsere Zeit ist keine mechanistische Zeit mehr, es ist nicht mehr so, dass die Titanic gegen einen Eisberg fährt, in zwei Teile bricht, alle fallen ins Wasser (die Armen zuerst) und das ist die Katastrophe. Sondern die Katastrophe ist oft unsichtbar, oder auch nicht mehr lokalisierbar, sie ist nicht mehr an einem Ort, sie ist immer auch Definitionssache, steht immer auch zur Disposition: Gibt es jetzt Strahlung? Gibt es jetzt zu viel Feinstaub in der Luft? Ist das ein Aufstand oder ist das inszeniert? Und wie kann ich keine Meinung haben, ohne dabei ignorant zu sein? Mich interessiert politische oder klimapolitische, kritische Kunst nur selten. Mich interessiert es nicht besonders, wenn Kunst durch Informationen belehrt. Ich denke, dass Kunst auf einer anderen Ebene wirkt. 
Kunst ist kannibalistisch, sie kann sich von allem ernähren, sie kann in fast alles eindringen, sie hilft uns, dem Wahnsinn des Berechenbaren zu entkommen. Umgekehrt sehe ich, dass sie für andere Disziplinen wie Philosophie, Politik, die Entwicklung von Waren und auch für Aktivismus attraktiv ist. Wie verführerisch es für andere Disziplinen sein muss, zu versuchen, in sie einzudringen. Sie benutzen die Werkzeuge der Kunst, weil ihr Raum durch die großen Maschi- nen der Bewertungen immer enger wird. Es gibt keine Beweise dafür, was zwischen uns vor sich geht, wenn wir uns mittels der Kunst begegnen. Ich denke, es ist ein Ort, an dem wir uns in einem gebrechlichen Zustand sehen können. Er bietet Werkzeuge für dieses Zeugen-Dasein an. Wir sind in der Lage, Spuren zu sammeln, ohne sie zu verfälschen, indem wir sie durch Begriffe handhabbar machen. In diesem Sinne glaube ich, dass Kunst uns helfen kann, mit Zusammenhängen, die wir kaum begreifen können, und mit der unüberschaubaren Gegenwart klarzukommen. Nicht weil sie uns Zusammenhänge erklären würde, wie gutes Anschauungsmaterial, sondern weil sie uns einen Raum gibt, in dem sich die Uneindeutigkeit und Unübersichtlichkeit unserer eigenen Sprache aushalten lässt. Ich bin in der Nähe von Gorleben groß geworden, wo radioaktiver Müll gelagert wird. Es gab ständig Proteste, und dieses Atom war für mich als Kind bedrohlich. Das sind Erfahrungen, die immer wieder auftauchen. (Ganz ohne die eigene Biografie scheint es nicht zu gehen.) Kunst kann ein Medium sein, um – das klingt vielleicht erst ein- mal paradox – der Beunruhigung habhaft zu werden und sie auszuhalten. Um auf die Unheimlichkeit zuzugehen, ohne sie gleich zu benennen oder zu verurteilen, sondern vielmehr einen Raum für sie herzustellen, in dem auch das Geschichten erzählen, die Fiktionen, die Täuschungen und das Suchen ihren Platz haben. Dort ist es dann möglich, Zeuge zu sein, das Unheimliche verliert etwas von seinem Schrecken, und die gemeinsame Betrachtung gibt einem Zeit und verhindert blindes Handeln. Da ist etwas in dieser fragilen Kommunikation, worin wir einander begegnen können ohne uns zu kennen, und manchmal macht das die Welt erträglicher. 


M: Manche Künstler arbeiten mit neuen Werkstoffen, die ein Vermögen kosten. Das ist nicht die Art von Material, um die es dir geht. Du sprichst von Staub, Licht, Alltäglichem. Wenn du durch ein Kunstmuseum läufst und siehst da kraftvolle Setzungen an Form und Farbe, kannst du dann damit etwas anfangen? Oder guckst du lieber, ob die Glasfassade richtig sauber ist und wie die Schlieren im Licht schillern? 

L: Ja, meistens schon. Meistens gucke ich daneben.

M: Darf ich dich fragen, was du beim Daneben-Gucken in der Zeit hier in Nürnberg für dich herausgefunden hast? 

L: Ich habe eigentlich angenommen, relativ offen zu sein. Es hat mich erstaunt, wie begrenzt der Raum, den ich mir gebe, und den ich erkunde, doch war. Es ist schwer zu erklären. Wenn man losgeht und sagt: Ich widerspreche mir jetzt einfach mal und versuche wirklich, mich zu torpedieren – nicht destruktiv, also nicht selbstzerstörerisch –, wirklich zu schauen, wo einem das eigene Ich verloren geht... wo wird es mir fremd, wenn ich das mache? Da bin ich doch sehr viel schneller als gedacht beim Limit angekommen: Oh Gott, da fühl ich mich total diffus, und da auch. Es war ein viel kleinerer Raum, als ich vermutet hätte. Eine ähnliche Übung wie die hier im Atelier mache ich seit einigen Jahren: An einem ausgewählten Tag tue ich alles, was ich sonst nie tue. Frühstück bei McDonalds, dann zum Beispiel ein teures Schuhgeschäft besuchen oder Unterwäsche anprobieren. Dann in die Wirtschaftsuniversität gehen, sich ins Auditorium in den Red-Bull-Saal setzen und so weiter ... Wo fühle ich mich ungemütlich? Richtig unwohl und uncool, dumm, entfremdet. Und wo mache ich mich eigentlich vor mir selbst zum Affen, weil ich mich an irgendeiner Idee festklammere? Das ist eine gute Übung, scheint mir, auch für andere Menschen, für alle Menschen könnte das eine witzige Übung sein. Als eine Freundin mich im Studio besuchte und ich zu ihr mein- te: »Das ist nicht wirklich mein Geschmack oder mein Stil, diese Bilder«, da sagte sie, das sei Niemandes Geschmack. Da habe ich vor Angst noch lange lachen müssen. In meiner Verunsicherung fragte ich mich, wie ich diese Schwierigkeit denn dann festhalten und wie ich daraus etwas machen soll? Es erscheint mir beinahe unmöglich. Das ist, glaube ich, auch ein wichtiger Punkt, den ich aus dieser Erfahrung gezogen habe. Das wirklich zu übersetzen in ein anderes Format, in eine Ausstellung oder in ein Bild, ist wahnsinnig schwer. Auch die Ironie, die da drin steckt und das Schaudern. Es gibt bestimmt Leute, die das können. Vielleicht wäre es als Performance einfacher. Ich weiß es nicht. Es geht ja nicht um mich persönlich, es geht ja vielmehr um mich als Werkzeug. 

M: Es steckt ein Schaudern darin ...? 

L: Man ist so hilflos, steht ohne alles da. Diesen Moment gibt es wirklich: in dem einem niemand helfen kann. Es verbindet sich das Alleinsein mit der eigenen Identität, und man überhöht sie und versucht gleichzeitig, sie abzulegen. Gerade in einem Residenzstipendium ist das extrem: Ich fahre fünf Stunden Zug in eine andere Stadt, wo ich niemanden kenne, und niemand bin, in ein Atelierhaus, wo nachts niemand ist, und sitze da in der leeren Neon-Kammer und mache irgendwas. Wie eine Laborratte, die sich alles selber ausdenken muss, was sie jetzt da veranstaltet, an sich und an den Dingen. Dann kommt ein Fluchtimpuls ins Können und ins Bekannte, ins Sinnstiften. Ein Arbeitsethos setzt ein. Man nimmt einen ganzen Raum ein, sitzt da und macht hässliche Aquarelle. Man bekommt Geld, aber es gibt keinen eindeutigen Auftrag, Erwartungen gibt es aber schon. Es scheint einfacher, wenn man nicht bezahlt wird, aber dann ist es auf eine andere Weise unmöglich. Muss ich jetzt etwas herstellen, das für andere etwas bedeutet? Mich mit der Weltgeschichte auseinandersetzen, irgendwem antworten, einem imaginierten Fragesteller? Auch das wäre eine Flucht. Man flieht dann in das, was man für relevant hält, oder wovon man denkt, dass es für relevant befunden wird, oder will dort hineingetrieben werden von irgendeiner Autorität. Dieser Punkt will überschritten werden. Da gibt es viel zu beseitigen an selbst formulierten Gesetzen, die uns nicht weiter bringen. Die uns der Sache nicht näher bringen. Vielleicht ließe sich das, was ich da vollzogen habe, am ehesten in eine Spielanleitung übersetzen. Gegen eine Form innerlicher Effizienz, gegen den Willen, Bedeutung zu schaffen, indem man sich über seine Meinung produziert. Und auch um sich selbst zu überprüfen, um sich die Frage zu stellen, ob man bloß Relevanz schaffen will, um auf der Rangrutsche mit dabei zu sein. Wieso nur? 

M: Ich habe schon viele Künstler erlebt, auch beim Pressegespräch. Manchmal hat es mich genervt, wenn die Künstler ihre eigenen Staubsaugervertreter waren und schon die Interpretation ihrer Arbeiten abgeliefert haben, bevor man diese überhaupt gesehen hat. Aber jemand, der so wie du diese Situation öffnet und sich in seiner ganzen Unsicherheit und Unklarheit zeigt oder das fast schon zum Konzept macht, das ist mir ganz ehrlich in dieser Radikalität noch nicht vorgekommen. Und ich bin ja auch nur 
so ein »Institutsdirektor«. Ich sitze zwar hier vorne. Aber ich bin auch nicht schlauer als du. Man ist oft so gefangen in irgendwelchen Zuschreibungen. Die Frage ist, welche Macht sie über uns erlangen. 

L: Ach, ich habe schon einen strebsamen Impuls in mir. Und meiner Beobachtung nach werden, wenn sich dieser Impuls regt, die Handlungen einigermaßen langweilig. Weil sie dann kontrol- liert sind und zeigen: Ich kann das, ich bin gut, intelligent, smart, oder: Ich bin ich. Ich beherrsche das. Es ist die Beherrscher-Idee, die mir doch in vielem fatal erscheint. Und wir sehen ja gerade, dass sie ein Trugbild ist. Eine Situation nicht beherrschen zu können, ist ja eigentlich viel realistischer. Wir disziplinieren uns immer in alle möglichen Richtungen, auch in die, wodurch die Beherrschung etwas verloren geht. Gerade das Nichtbeherrschen anzuerkennen, könnte beim Weitersuchen hilfreich sein. Das auf einen Endpunkt zielende Denken, an dem eine Meinung steht, beiseite zu legen um anzufangen. Wir suchen ja nicht nach einem Endpunkt, sondern, nach einem Weiterleben und Weiter-denken, hoffe ich. 

DER STRAHLENDE UMRAUM

Autor/in: Hans_Chrsitian Dany

Erschienen in: Der gesprengte Zwischenraum, 2015 

Überall sind Wandlungen. Staunend bewegt sie sich in ihnen. Es sind Versuche aufzuhören, um anzufangen. Dem Un- bestimmten Zeit zu widmen, als gäbe es nichts zu verlieren. Auf gesichertes Wissen zu verzichten, um das zu sehen, was sich das Denken nicht vorstellen kann. Nichts erwarten, um zu erkennen, was sie noch nie gesehen hat. Sich auf die Suche nach dem Staub in der Luft begeben, die Stabilität des Lichtes zu befragen und das Volumen von Schatten vermessen. Sich dem Unbekannten öffnen, auf die Gefahr hin, darin fremd zu bleiben. 
An dem Tag, an dem ich begann dies zu schreiben, bin ich die Straße hinuntergegangen, da hat mich der Anruf eines Polizisten erreicht. Ich höre ihn sagen, ein Tisch sei auf mein Auto gefallen. Als ich bei dem Wagen ankomme, sehe ich, dass es stimmt, etwas ist in ihn eingeschlagen. Den Tisch, der es gewesen sein soll, kann ich aber nicht entdecken. Statt- des- sen kommen drei nervöse Herren im feinen Zwirn aus dem Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Sie ent- schul- digen sich vielmals für das vom Hausdach Gefallene. Visiten- karten weisen sie als leitende Mitarbeiter der Versicherung aus, deren Bürohaus sich dort befindet. Ihr Bekenntnis er- klärt aber nicht, wie der Tisch in einer so ausholenden Kurve über die Straße hinweg fallen konnte. 
Dinge bewegen sich oft anders, als der Mensch behauptet oder meint, zu erkennen. Noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts glaubten Naturwissenschaftler erfasst zu haben, wie sich die Materie im Universum verhält. Sie waren überzeugt, im Raum zwischen den Dingen, der unmöglich leer sein könnte, befände sich Äther. Bei Licht und Schall, oder dem, was das gerade entdeckte Radio empfing, handle es sich um Wellen, die von dem in sich ruhenden Gas übertragen würden. Das Bild des gefüllten Zwischenraumes als Medium ging schon wenige Jahre später in die Brüche. Es wurde end- 
gültig aufgegeben, nachdem der Versuch unternommen worden war, die Lichtgeschwindigkeit durch einen sich mit ihm bewegen- den Beobachter zu messen. Die Geschwindigkeit verändert sich aber nicht, wenn der Beobachter dem Licht folgt. Sie bleibt gegenüber dem im Stillstand gemessenen Tem- po identisch. Daraus schlossen die zunächst Verwirrten, Licht bewege sich relativ zu seiner Umgebung. 
Albert Einstein kam angesichts des ausgedienten Modells und der neuen Einsicht zu dem Schluss, Äther und universelle Zeit könne man vergessen. Es war der Anfang des gesprengten Zwischenraumes und der persönlichen Zeit. Dinge zeigen sich jetzt als bewegte Verhältnisse zueinander und immer auch als Teil dessen, von dem sie umgeben sind. Zwischenraum und Zeit bilden nicht mehr nur den Hintergrund des Geschehens, sondern formen Elemente einer expansiven Dynamik. 
Zu den Folgen der Relativitätstheorie gehört die Erkennt- nis, dass man, spaltet man den Kern eines Uranatoms, zwei Kerne erhält, dann vier und sofort acht, bald Tausende. Die durch die Spaltung freigesetzte Energie erzeugt immer mehr Spaltungen. Eine nicht enden wollende Unruhe erfüllt die sich vervielfältigenden Zwischenräume. Die Wellen der wach- senden Intensitäten durchdringen Millionen Leben mit einer Angst vor dem Unabschließbaren, die sich nicht mehr bewältigen lässt. Wider das Unkontrollierbare, dem man sich machtlos gegenübersah, nachdem die Kettenreaktion erst ein- mal in Gang gesetzt worden war, entstand die Vorstellung, der Mensch könne die Kettenreaktionen und ihre sich immer weiter fortsetzende Bewegung unterbrechen, oder zumindest in einem Stollen begraben, um ihrer Unruhe habhaft zu wer- den. Die Bauherren der Illusion des temporären Grabes wuss- ten um die Unmöglichkeit ihres Vorhabens, behaupteten aber einfach das Gegenteil. 
Um das geplante Zwischenlager erstreckt sich flaches Land, durchwachsen von Wäldern, die Grenze in Sichtweite. Ein Fluss, der an dieser Stelle mit der Grenze zusammenfällt, führte als weitere Linie zum Meer, das aber zu entfernt schien, 
um es sich wirklich vorzustellen. Die in der Gegend ansässigen Bauern beugten sich nun abends über Physikbücher, um die Reden von der endlosen Unruhe des Zwischenraumes zu verstehen. Hatten sie bisher zumeist gelebt, ohne viele Fragen zu stellen, träumten sie nun von den ewigen Schatten auf den Häusern von Hiroshima. Ihre Kinder malten Bilder aus tau- send Punkten und fragten sich, ob sie, wenn sie einen Apfel aßen, Apfel werden würden. 
Als Kind, das zu der Zeit dort aufwuchs, begann sie sich in poetischen Formen mit den Eigenschaften der Spaltung, dem sich sprengenden Zwischenraum und der Strahlung zu beschäftigen. Es wurde zu einer inneren Notwendigkeit. Neben dem Verhältnis von Licht und Dunkel oder der Unschärfe- relation, ist ihre Neugier auch von dem angezogen, was sich widerspenstig der frühen Relativitätstheorie in den Weg ge- stellt hat: die Vorstellung einer geraden Geometrie von Raum und Zeit. Trotz der geraden Konstanten, des Lineals, das sie verwendet, erscheinen die Zwischenräume der Linien, die sie zieht, verzogen. Die Linien finden Krümmungen, indem sie einander schräg schneiden. Was sich dazwischen befindet, läuft zusammen, wandert ins Nichts. Der Zwischenraum ver- schwindet aber nicht gänzlich, er geht nicht verloren, sondern teilt sich aufs Neue. Aus der Wiederholung entsteht das Ge- webe einer Raumzeit, in dem sich die Lichtkörper der Zwischenräume verzerren, als wirke ein Gravitationsfeld auf sie ein. Die Anordnungen von Linien übersetzen, wie sich durch die Verteilung von Materie, der Tinte und Energie, der Bewe- gung des Stiftes, die Raumzeit wandelt. Bei diesen Untersuchungen, die ihre eigenen Apparate und Gesetzmäßigkeiten erfordern, geht es nicht darum, in Wettbewerb mit der Wissenschaft zu treten, sondern ein eigenes Verständnis zu ermitteln, tastende Annahmen, denen eine Autonomie erlaubt wird. Anstelle möglicher Ableitungen, die sich die Dinge und ihre Zwischenräume zu Werkzeugen biegen, entstehen Ge- dichte in einer nicht linearen Sprache, „die mit den Händen begriffen werden kann“. Ihre materialisierten Verse nisten als 
Objekte in Lücken des Wissens. Sie lassen sich von den Umgebungen formen. Als bewegliche Hypothesen verbinden sie sich mit deren Dynamik, geben sich ihr hin. Verhältnisse ver- schränken sich durch sie hindurch. In ihnen fängt Staub im Licht an zu tanzen oder gekrümmte Linien beginnen zu fliegen, weil sie die Spannung des Ineinander nicht mehr aushalten. Ihr Flug könnte aus dem Gefängnis des für den Men- schen Denkbaren führen. 
Eine Fluchtlinie wählt meist den kürzesten Weg. Das Wort Flucht stammt vom niederdeutschen fluggt, fliegen ab. Die über die Ebene fliegenden Vögel ziehen eine gerade Linie. Dem Bau des schiefen Hauses ging das Fluchten voraus. Für die Ordnung des Materials wird eine Gerade gezogen, ein Fa- den gespannt, Luft und Licht durchschnitten. Ihre Markie- rung zeichnet die kommende Form vor. Im Fluchten erwacht das Gebäude, das in der Planzeichnung schlief. Die gespannte Fuge dient ihm als Richtmaß. Eingefügte Masse drückt sich entlang der durch die Steine wirkenden Schwerkraft. Die Fuge krümmt sich. Wirkungen lassen sich in der Sprache fin- den und liegen doch außerhalb von ihr, bilden, eine weitere Ebene. Als Mensch lebt man dazwischen. Man kann sich ein- bilden das Sprache gewordene Denken gäbe festen Boden un- ter den Füßen, doch lügt man sich dabei in die Tasche. Die Füße sinken immer tiefer, während der Himmel in die Ferne rückt. Die Fuge öffnet sich zu einer Spalte, in welcher das Denken den Verhältnissen nicht mehr auf die Spur kommt. Manchmal lässt sie sich noch mit der Hand erspüren, aber auch das ist nicht sicher. 
In der Musik bezeichnet die Fuge ein Kompositionsprinzip, das eine akustische Raumwahrnehmung erzeugt. Der Aufbau der Fuge, oder fuga, was wiederum Flucht und Entrinnen meint, wird in den aufeinanderfolgenden Einsatz von Stim- men übersetzt. Sie laufen voreinander davon, streben auseinander, überlagern sich verschoben zueinander, bilden Klang- räume. Der Gesang fliegt über den Fluss, der sich aus tausend Linien zu einer dunklen Fläche verwebt. Linien können sich 
durch einen Raum ziehen, der aus Material nicht gebaut wer- den kann. Für den Raum bedarf es keiner Begründung, trotz- dem wird in ihm ein Echo hörbar. Es spricht mit den Dingen, antwortet aus dem Zwischenraum, verändert die Raumperspektive. Räume in und neben den Dingen werden mit der Hand behauptet. Es bilden sich Annahmen, die sich nicht aussprechen lassen. Bedeutungen, gedachte Worte, würden die Möglichkeit der Räume versperren. In den Sätzen werden die Eingänge zu ihnen nicht sichtbar. Das Strahlen würde sich verlieren. Die verborgenen Zimmer halten sich deshalb lieber fern von der fixierenden, in sich begrenzten Sprache, bleiben in zweifelnder Distanz zu dem, was ihre Zwischen- räume verschließt. Vielleicht sind es gar kein Räume, sondern ein turbulenter Plan, ein Gas, ein Strahlen? Ja, die Dinge strahlen. Etwas wohnt in ihnen, strömt aus ihnen heraus, umflirrt sie, bildet einen Umraum. Manchmal gibt sich die bewegte Ummantelung eine Zeit lang zu erkennen, wie bei der heißen Kartoffel, die auf einem Teller dampft. Manchmal lassen sich Umstände herstellen, welche die wirkenden Kräfte sichtbar werden lassen. Flüssiges Eisen zeichnet eine Aura um den Magneten. Energie greift in den Außenraum. An anderen Stellen glaubt das Auge Wirkungen zu erkennen, die gar nicht existieren. Die Sonderstellung scheint bei all dem das Licht einzunehmen, weil es sich schneller als alles andere bewegt. Mal umspielt es die Dinge, mal leuchtet es aus ihnen heraus. Aber ist es für das Licht von irgendeiner Bedeutung, dabei beobachtet zu werden? 
Menschliche Beobachter verwechselten sich lange Zeit mit dem Zentrum dieser Vorgänge. Nichts existiere ohne ihn, dachte er, und irgendwann, dachte er, könne er alles verste- hen. Er schwang sich sogar zu der Vorstellung auf, all das würde nur in seinem Kopf existieren. Dem, was er nicht den- ken konnte, sprach er das Existenzrecht ab. Angesichts der Ekstasen dieser Selbstverliebtheit scheint es zwingend, die Dinge in ihren Sprachen sprechen zu lassen, sie sein zu lassen in ihrer Sprache. Es sind Sprachen, die nichts, so gar nichts, 
mit dem menschlichen Begriff von Sprache zu tun haben, weshalb gar nicht von Sprache gesprochen werden muss. In ihnen bewegt sich etwas, was unaussprechlich bleibt und sich dem menschlichen Denken verschließt. Nicht, dass es seine Absicht wäre, dafür interessiert es sich viel zu wenig für den Beobachter. 
Nicht wenige fühlen sich von dieser Verschlossenheit zurückgewiesen und ignorieren das abgeschieden Bleibende. Sie wendet solche Befindlichkeiten in ihr Gegenteil, ohne den Schmerz des Getrennt-Bleibens zu verleugnen. Sie öffnet sich den sprachlos gestellten Fragen, auch wenn diese wunde Punkte berühren. Folgt das Material einem ihm Innewoh- nenden, das sich anders verhält als das Denken und das durch Sprache Denkbare? Es gibt nichts zu verlieren, wenn sie auf jene, die Zugänge zur Wirklichkeit blockierenden Gewissheiten verzichtet und in einen Dialog tritt, der sich außerhalb der denkbaren Sprache unterhält. Oder wie sie es formuliert: „Ist das die Wüste? Wer bist du? Ich bin die Freundin der Wüste.“ 

Keine Streifen, kein Muster

Autor/in: Catrin Lorch

Erschienen in: Der gesprengte Zwischenraum, 2015

Für Menschen sind Brot, Datteln, Milch, Fleisch und Wasser
lebenswichtig. Luft, die für das Leben unverzichtbar ist, wird
von der Atmosphäre der Erde gesichert... Deswegen musste
der Mensch von seinen Weltraum-Eskapaden zurückkehren.
„Selbstmord eines Astronauten“, Muammar Al Gaddafi, 1996.

Gustav Metzger zog nach dem Ende seines Studiums in
London in eine Kommune in East Anglia. Baute Gemüse im
Garten an, entrümpelte Häuser und fuhr Möbel mit einem
Leiterwagen auf Flohmärkte. Eines Tages fand er auf dem
Sperrmüll einen dreibeinigen Holztisch, dessen Platte gerade
groß genug war, um eine Tasse Tee und ein Buch zu tragen.
Der Tisch wurde sein Modell. Auf Studien schmilzt dieser in
sehr bunten Farben zu einem sehr breiten Rund zusammen,
das über einer schlanken Säule schwebt. Die Konturen wirken
nie wirklich fest, eher so, als breite sich die Farbe über den
Rand der Form aus. Strahlend legt sich diese Erscheinung
über die Tischkanten, undurchsichtig und mächtig wie ein
Atompilz. Mitte der 1960-er Jahre packte Gustav Metzger sei-
ne Bilder zusammen und verstaute sie auf dem Dachboden
einer Garage. Er hatte entschieden, zurück nach London zu
gehen. Nicht mehr zu malen. Er wurde Aktivist, Mitbegrün-
der des Committee of 100 und arbeitete mit Flüssigkristallen,
die er zwischen Diarahmen erwärmte und auf die Wand pro-
jizierte. Sie sehen aus, wie man sich das Innere eines Vulkans
vorstellt. Oder Ölschlieren, über die der Wind streicht.

Im Meer nehmen solche Verunreinigungen häufig den
breit ausfächernden Umriss einer Jakobsmuschel an, vor al-
lem an den Mündungen der großen Flüsse. Aber es ist nicht
einfach, das Irisierende zu fotografieren, nirgends ist auch die
Luft so schmutzig. An der Stelle, an der sich der Perlfluss ins
Südchinesische Meer ergießt, kann man kaum mit dem Heli-
kopter aufsteigen. Stromaufwärts dagegen ist die Landschaft
so schön, dass viele Touristen Kreuzfahrten auf schweren al-
ten Schiffen buchen. Wenn man bei lauem Wetter am Rand
mächtiger Bergketten aussteigt, landet man in einer anderen
Zeit an. Die Männer hier tragen weite Seidengewänder mit
Knebelknöpfen und spitze Hüte. Ihr Dorf ist eine Bühne,
dort treten Alte auf, die Mäusen beigebracht haben, ein klei-
nes Seil ordentlich zu vertäuen. Ihre Frauen gießen aus hei-
ßem Zucker Ornamente und pusten einen Klecks Tinte so
lange auf dem Papier herum, bis der Schatten der Maus dort
aufzutauchen scheint.

Nicht weit entfernt liegt das Gebäude, in dem die Besucher
leben. Auf dem Dach sind Solarzellen angebracht, immer ist
ausreichend heißes Wasser vorhanden, sogar für die kleine
Sauna und ihren doppelwandigen Kessel. Man könnte auch
ein Feuer entfachen, doch liegt nur wenig Holz vor der Mühle,
die dort angelegt wurde, wo ein strudelnder Bach in den von
Seerosen überwachsenen Teich fließt. Ihr Dach ist weit aufge-
brochen und verglast, es ist hell in den Räumen, die nur durch
große, versenkbare Scheiben vom Wald getrennt sind. Man
kann hier allein sein. Neben dem Eingang wächst ein Brot-
baum. Es gibt Beerensträucher und Obstbäume, im Wasser
leben Krebse und kleine Fische. Im Frühjahr ächzen die dunk-
len Holzhütten, die auf Stelzen weit jenseits des Ufers stehen,
unter der Last der Netze, in denen sich Schalentiere sammeln.
Sie werden in den schwarzen Kesseln gekocht, die achtlos am
Ufer gelagert sind, schon im Frühsommer überwuchert. Und
niemanden kümmern die niedrigen Fallen oder ob man mit
der Steinschleuder einen Hasen oder einen Fasan schießt.

Am Ufer steht eine Frau, sie trägt nur ein Tuch um die Hüf-
ten. Ihr Blick geht über das Wasser auf die schnellen Bewegun-
gen der Gänse über den Himmel. Dem, der hier noch etwas
tut, – wenn richtig gearbeitet wird, nachts das Licht brennt –,
dem gibt die Natur zurück, heißt es. Die Leute sprechen nicht
gerne mit den Fremden, die erfahren es ja bald selbst: Die Töp-
ferin, die ihre Drehscheibe unter dem Blätterdach in der Nähe
ihres aus Lehmziegeln geschichteten Brennofens aufgestellt
hat, kann von ihrem Sitzbrett aus Beeren pflücken.
Der Preis: Die Schwingungen sind auf Ruhe ausgerichtet.
Die Stille ist messbar. Die Flüssigkristallanzeige der sorgfältig
getunten Geräte und Antennen schlägt schon bei den Strah-
lungen eines Mobiltelefons heftig aus, zeichnet WLAN-Netze
und die unruhig ausschlagenden Signale der Nachrichten-
übermittlungen, der Fernseher- und Radiowellen als Gebirgs-
ketten aus grünem Licht nach.
Agnes Martin sagt, wer im Atelier sitzt und auf gute Ideen
wartet ist schon verloren. Sie verließ New York, um in ein
Haus in Mexiko zu ziehen, von dem man sagen kann, dass
sein Grundriss so einfach ist wie ein Gemälde von Josef Al-
bers. Weil Josef Albers genau solche Adobes solange gemalt
hat bis er bei seinem Quadrat angekommen war. Bis man
nichts mehr fortlassen konnte.
Agnes Martin entdeckte das „Grid“, das ihr Werk stützen
sollte, 1974. Ihre Leinwände waren nie höher und breiter als
sechs Fuß, sie wollte sie noch selbst umfassen können. Als ihre
Kraft nachließ, wurden sie etwa einen Fuß kleiner. Ihre Bil-
der sehen aus wie nichts auf der Welt. Streifen in hellem Blau,
Rosa, verwaschenem Bleistiftgrau. Aber es sind Gemälde, nie
würde man sie mit Stoffen verwechseln oder Schildern.
Die Pistole war auf einmal da, lag sicher in der kräftigen,
feinfühligen Hand der Frau, über deren Oberschenkeln der
Stoff der Uniformhosen spannte. Dass das Bild aus sicherer
Entfernung entstand, bei aller Nähe, erkennt man daran, dass
die Fotografin sich nicht die Mühe machte, ihren Standort zu
überhöhen, indem sie das Objektiv zwischen die Gitterstreben
des Balkons gesteckt hätte. Nun kann man den dunklen, tren-
nenden Streifen noch sehen. Auf einem anderen Bild sieht man
eine schöne dunkelhaarige Frau. Sie schaut direkt in die Linse.
Auch der Blick des Affens – er kauert in einer Ruine – geht in
die Tiefen des Objektivs. Wer hier wen anschaut, prüfend? Die
Fotos sind so verschieden wie das, was man an einem Vormit-
tag bei einem Garagenverkauf zusammen sammeln kann, in
irgendeiner Provinzstadt. Als hätte man sie aus alten Kartons
geholt – oder im eigenen Archiv wiederentdeckt, nach Jahren.
Aber nahezu alle hat die Fotografin selbst aufgenommen.
Die Suchende, die ihre Malerei aus der Vogelperspektive
des Kameraobjektivs einfängt, lässt los wo sie präzise plant.
Wenn man die Farbschlieren auf Fensterglas, die krustigen
Konturen, Verläufe, ansieht, kann man sich vorstellen, dass
ihr Blick sie zerschnitten hat, als sie Muster darin entdeckte,
Gase, Wolken. Oder eben nur den Rand einer Detonation.
Einen Schuss. Die langsam sich ausbreitende Stille. Wenn sie
nach Bildern sucht, dann passt sie diese Glasplatten in Gestel-
le ein, damit sie das Licht einfärben können, manchmal hilft
ein kleiner Strahler. Oder sie lässt das Licht des Scanners da-
rüber gleiten bis sich eine bestimmte Form zeigt.
Jede Linie wurzelt für einen Moment in einem Punkt.
Man stellt sich lieber nicht vor, dass sie auch in einem Punkt
endet. Sondern dass die Bewegung, der sie gefolgt ist, hier
nur kurz anhält. Dass sie eine angefangene Wegstrecke
bleibt, ein Vektor, deren Ursache zwar der Schwung eines
Arms ist – die aber, wie bei einem Schwimmzug, auch dann
noch trägt, wenn die Muskelfasern schon wieder zur Ruhe
gekommen sind. Die Linie deutet. Mit solchen Linien be-
deckt sie das Papier. Wenn sie fertig ist, sind die Bögen nicht
liniert, sondern voller Linien. Manche liegen so da, wie Pfeile
im Köcher oder Mikadostäbe. Dass sie nur unwesentlich ver-
schoben sind, spielt keine Rolle. Sie sind keine Streifen und
auch kein Muster. Sie sind viele, aber allein. Weil jeder Strich
einzeln gezogen wurde und nicht wirklich am Blattrand en-
det (auch wenn mancher perfekt auf einem Lineal entlang
gleitende Zug in einem kleinen Versprung endet und man
spürt, dass eine Absetzbewegung den Fluss bremste). Wie das
Lineal angesetzt wird, entscheidet sie immer wieder neu. Es
gibt keine Mechanik, keine strenge Kalkulation. Das Blatt
ist da, mit allen bis dahin gezogenen Linien – die letzte muss
sich gegenüber allen anderen behaupten. Solche Bilder sind
nicht gestreift. Sie sind keine Grafiken und keine Muster.
Nur wenn man sie fotografiert, übersetzt in Pixel und ins
Digitale einliest, ziehen sie sich zusammen. Das Bildpro-
gramm macht schimmerndes Moiré aus ihnen – und die Auf-
sicht mag schillernd changieren wie eine Muschelschale, sie
bleibt blind. Gerade weil sie präzise arbeitet, mit einem Tu-
schestift, Zeichengerät, wie es auch von Architekten oder In-
genieuren und Landvermessern verwendet wird, liest man in
diesen Linien immer auch die Markierung. Sie weisen in eine
Richtung und jede Abweichung, ein Winkel von ein, zwei
Grad, einem Bruchteil von einem Millimeter, wirkt sich aus
auf die Gedanken, die dem Schwarz nachfolgen, Längen-
und Breitenachsen auf die Erde legen. Nur die Linien, die
perfekt nebeneinander aufgereiht sind, bilden eine Art Ein-
halt, würden zusammen bleiben. Alle anderen können sich
schnell verlieren, auch wenn sie zu Beginn noch so eng zu-
sammenstehen. Wären es die Routen sehr kleiner Zugvögel,
kämen die einen in Kairo an, die anderen in Dubai oder Is-
tanbul. Wer die feinen abstrakten Zeichnungen sieht, dem
kippen sie schnell in die dritte Dimension. Sie haben etwas
von Blaupausen, maßstabsgetreuen Planungsgrundlagen.
Aber wo wird hier abgezäunt? Tatsächlich werden aus sol-
chen Aufrissen keine Gebäude – wo sie sich auftürmen, zu
Wänden oder Treppenläufen hochziehen, sich weiten zu Ga-
lerien, Toren, weiten Durchbrüchen, stehen sie im Wider-
spruch zu dem, was mit Material möglich wäre. Sie wirken so
beweglich wie eine Bühne, die sich nicht nur dreht, sondern
keine Verankerungen kennt. Eine Bühne, deren Statik glei-
tend und schwebend die Wände aus allen Verankerungen
löst. Wie die spiegelnden Scheiben, beweglichen Gitter und
Paravents, die in der Berliner Krolloper Mitte der Zwanziger
Jahre eine Premiere der Madame Butterfly rahmten. Cio-Cio
San sang in einen weiten Raum hinein, ihre Stimme war eine
Wolke Klang und breitete sich aus, während Cio-Cios Kimo-
no verschwamm und vor den hohen Schatten und Gittern,
die sich über ihr auftürmten, zu einem winzigen, farbigen
Klecks zerrann.
Als sie ihre Stifte und Papierbögen ein letztes Mal eingepackt
hatte und die Scheibe zum Atelier elektronisch verschloss, be-
merkte sie das Tier viel zu spät, das gerade noch rechtzeitig
entkam. Sein kleiner Schatten erschreckte sie so, dass eine
Schachtel Zeichenkreiden zu Boden fiel. Achtlos räumte sie
die zerbrochenen Stücke ein, wischte mit dem Handballen
über den Zementboden und ließ den kleinen Fleck verschwin-
den, indem sie das Licht löschte.

»I repeat, you should come closer. Water – please come closer. Well, I’m glad so many found their way here.«

A dialogue based on a conversation between Lily Wittenburg and Manfred Rothenberger which took place as part of the series Regalgespräche on 4. February 2020 at the Institut für moderne Kunst in Nuremberg 

Published in: TO MISS THE CORE OF DECEPTION                                               Hrsg.: Institute for Modern Art, Nuremberg, 2020 

Manfred: Lily Wittenburg is the current recipient of the Marianne-Defet-Malerei-stipendium. And yet she is not necessarily known as a painter. We had been looking for someone who works with colour, but in whose work the brush itself does not take center stage. 
Joshua Groß had discovered Lily’s book The Detonated Interstice, and we found it interesting and thought there was some affinity for painting in her works. Or perhaps not. But in our love for dialectical antithesis we then tried to lead her down the slippery slope of painting. 

Lily: Indeed, I do not see myself as a painter. But neither do I seek to categorise myself anyway. Most contemporary artists no longer work exclusively as painters or sculptors; there are installations, assemblies, collaborations. In fact, I have always refrained from painting in my experiments. Or at least I would not have used the word painting for anything I did in the past, even if there was a certain painterly quality. I have a fear of brushes, that’s why I have always avoided them. Because they are – at least in my hand – very imprecise, they are so soft and so sloppy. They don’t do what I want, but they don’t do anything by themselves either. 


M: But you took some brushes from the da Vinci artist brush factory with you? 


L: Yes, I have taken a lot of them with me and I actually use them, too! Painting has always had a great effect on me from afar. But it was intangible, because painting is so firmly anchored in his- tory and affected by so many smart opinions. When I now confronted myself with the brush, I wanted to take painting as a challenge, as something that I had no control over either in terms of content or in terms of haptics. So I took the fellowship as a good reason to face my avoidance strategies and my penchant for control. 

M: What were you doing in the studio? 


L: I decided to spend three months solely on experiments, pre- tending that I would never have to show anything to anyone. As if there was no necessity for an outcome. Two years ago I had a child and took a break from working with material. That is the state in which I arrived here. I knew I did not want to continue where I left off and try to improve on what I had done before. I wanted to build myself a temporary ivory tower, with lots of tools that were new to me, and that would completely disorientate and disturb me. 
There have seldom been disruptions in my working routine since 
I left art school 12 years ago. So it is not easy to pretend to be a beginner again. An upward trajectory is an implicit expectation, this is true for all professions. One »should« strive to stake out ever wider territories. The path gets ever narrower while one aims to fence these territories. You become elastic and smooth, you progress, and you know: this I can do, and that I cannot do. Choices made invariably and almost immediately start to constrain the choices we offer ourselves further down the line. Inevitably, how we do our work today determines how we’ll do it tomorrow. Very quickly, from the linear mode of professional advancement, a circularity emerges. I wanted to break this circle. Run into walls and trip myself up. 
Then someone said to me: »Painting!« – Oh God, painting, help! So I took a lot of brushes, without any idea and started unprepared. As a pretend beginner – since I can only disguise myself as a novice – I sat there and waited. It isn’t easy to bypass one’s own artistic judgement. And now I was forcing myself to head for exactly the most embarrassing places. For years I had been drawing lines on paper. Fine, straight lines. It was heaven to me, a wonderful immersion. There were a number of other, more experimental undertakings with lacquer on glass, with light and dust. But drawing lines reassures me, makes me serene. So I sat down and I said to myself: no straight lines any more, it’s time for colour. I acquired some chromatography paper, which absorbs the colours and splits them up. I was aiming for the point where I can no longer control the process and where I can no longer trust my taste. In this mirror I was searching for an answer to the question: what is taste anyway? My professor used to say, »there is no such thing as taste, taste is not a criterion in art.« 

M: What did he suggest as a criterion instead? 

L: There would be good and there would be bad art. Obviously, the subject would go beyond the scope here. But when I look at curated group exhibitions, it often seems to me that there is a lot of personal taste in them. Things align with each other, like a good playlist. There are exhibitions that feel like a house playlist and some that are more like a Stockhausen playlist. I rarely see a Wagner suddenly thrashing in. But what of it? I myself am guilty of pandering to my own comforts. But the thing is, art can’t always be rooted in mere personal comfort. When I am feeling too good, I am standing on ground that is far too solid. This is what I wanted to shake up. And I succeeded. I have now produced some very embarrassing paintings – for me they are very embarrassing.

M: From a market strategy point of view, this is a catastrophe. 

 
L: Yes, it is also a catastrophe for me personally! 

M: In art, it is often a matter of an artist’s individual style being immediately recognisable. A style that tells me, I have seen this before, somewhere. The galleries live off it. Only when you are as famous as Gerhard Richter it is possible to completely change your handwriting, to do something completely new. And then, of course, people call it sheer audacity. But if you are not fully established in the art world, then it is quite a hara-kiri path you are taking. In any case, it shows courage. But if you perform such swerves and switches (too) often, you have to expect that every time someone has begun to understand you, you’ve already disappeared, shape-shifting so fast that no one can keep up. 

L: Yes, it could be read as a trickster approach as if I was a fraud playing with deceptions. But I wouldn’t envisage this zig-zag manoeuvering a »strategy«. For me, in the spirit of the present moment, ambiguity is important. We are currently surrounded by both a great deal of nostalgia and apocalyptic visions of the future. Both present themselves as certain in a way that can be very restricting. Maybe a general anxiety of the future makes you stick with what you already know, you look back on what you had and you try to preserve what you’ve achieved. Thus you build straight paths towards yourself. I observe a strong general desire to be understood, to perceive oneself as a valuable part of society. It is my impression, once again, that identities are constructed as clearly and unambiguously as possible. This is even true for those who see themselves as marginalized. Although we find our- selves at the same time in a veritable whirlwind of signs, in wild collages of belonging, these too ultimately lead to reductive demarcations. 
I observe an increasingly self-conscious straightforwardness. There is a lot of anxiety in art, too. There are big constructions within the exhibitions paired with a gesture of nonchalance. So it seems that if I can’t adorn my work with theoretical ribbon bows, seal it tightly with terms to provide an interpretation, then it will not have enough bang. I am going to drown. 
A lot of works want to be immersive, they want to win the spectator over completely, they want to envelop and overwhelm him. Such stances look somewhat courageous but I assume that there are limitations involved that only at first glance look like liberties. 

M: You have been here for almost five months. There is going to be a book and an exhibition. It is a tight schedule – the artist arrives here and already in the second week has to start figuring out what to show in the exhibition and in the book. There is actually no room for big experiments with completely new materials and techniques. I am of course extremely interested in whether this exhibition will be taking place and what it will look like? 

L: Yes, yes, yes. The difficulty is that the »exhibition« as a for- mat is so thoroughly choreographed. There are many unwritten rules in these supposedly liberated spaces. Like in most institutions we enter, such as the nuclear family for example, there are such strong invisible forces at work. It is very hard to break with this. It is almost impossible to say: this is an exhibition space, but it is not an exhibition. In the end, if you try to do this, you often create nothing but a gesture. I live in a nuclear family, but it is not a nuclear family. I do not know how to do it either, it is very difficult. 
In any case, there will be an exhibition, it is already arranged. The disorder of my search is now quite neatly hung in the exhibition space, quite conventionally, that is to say, I have not yet found any other solution. On the one hand there is a refusal, a struggle with the framework conditions, and on the other hand I find it too easy to just say no and put an avoidance attitude on display. Perhaps someone will decide to come, they will take the subway for 15 minutes, get off and want to look at some art, and this turns me into a host and I do not want that person to waste their time. Of course, we waste our time constantly, it just hap- pens and I cannot take responsibility for that, but at least I want to provide a sort of foil, I want to offer something from which something else could potentially emerge, an encounter for example. 

M: I don’t see that often in my professional field. An artist who gets a scholarship, who says: Help, I don’t want brushes or at least not that many. And I don’t want an exhibition either. That is the complete opposite of what normally happens, how this whole art business works. Everyone always wants the thick brushes and the big exhibition. You are like a grain of sand in the machinery. 

L: Well, the machinery is much too big for a single grain of sand, I pass by unnoticed. It is not really my concern to disrupt the business, I don’t find it that exciting. But it is a field in which despite everything, a 
different, wilder form of intelligence seems possible to me. It is a field in which there are questions I would like to pursue. If every- body is too occupied with producing their »thing« then I do not find that very interesting. Today, this fusion of things and ideas and identities is probably being negotiated much more excitingly in fashion and, of course, in the world of goods. 

M: What is chromatography and how did you get the idea to work with this technique? 

L: Chromatography paper is a filter paper. Impregnated with chemicals it is used for urine tests or other test procedures. It is an absorbent paper with a fine capillary structure. If you now apply colour that is composed of different substances, for example by using a black felt-tip pen, the black will fan out into its differ- ent components. The yellow colour moves further down the paper than the red one. The paper sorts the particles by the movement of the suction force. It arranges them under the paper’s own unique properties. There is something prismatic about it, a spec- trum emerges. 
I am interested in processes that touch upon the limit of visibility or the limit beyond which things can no longer be measured. In the past I have dealt with dust and light or radioactive substances. In earlier works I was also interested in things that are un- canny but which surround us. Things with which we constantly interact, that form essential parts of our reality but that maybe could only be understood by physicists. 
I grew up in a dark old farmhouse and sat for hours in the kitchen looking at the swirling patterns of dust in the air. I was fascinated by this space without dimensions that only sometimes comes into light. A child observing the micro-particles that populate our everyday life. For me, the question remains how to delineate this space where such uncanny processes slip beyond our apprehension. Where can we get a glimpse of these slippages, and where can there be an actual encounter between us and the forces at play? Where is the point at which the intersection can actually be experienced and is not just an idea. There are many phenomena we cannot see with the naked eye. We see the concrete walls built to contain the radioactive atoms, but the atoms themselves could actually be an invention. So I asked myself: How to describe the- se blind spots, how to render visible that we see nothing?

M: On 8/10/2019 you write: »I’m going to sleep, the painting paints itself.« You take these papers, you put some paint on, you go to bed and the next morning you see what happened. 
And something did happen. Then you throw some of it away, save some of it, and then an exhibition is complete? 

L: This was a very labour-saving measure. 

M: Is that all you want to say about it? 

L: I do not know, maybe, maybe, maybe. »Maybe« I always like to say. It is indeed not as spectacular as it sounds. Unfortunately. But maybe next time, maybe the path will become more visible. 

M: Mhm ... 

L: (laughs) Yes, it is hard when you think for yourself: It was spectacular how I ran in circles and what I came up with. But what there is to see at the end is not at all as scattered and contradictory and nerve-racking and cheerful as the journey thereunto. The path that leads to the exhibition is not visible, because the exhibition is a quasi solidified product that stands at the very end of many attempts. Of course one could create an explanatory exhibition, but this again did not seem right to me. 

M: You are someone who deals with text, with language, with literature. That is not so common in art. At least I haven’t encountered it too often. And on the other hand, the craft, the material seems to be very important for you as well. 

L: Yes, some things have an almost ghostly materiality that we cannot grasp. That is what material can do: it really can speak a different language or have a different kind of intelligence, through which I like to be led astray. Our time is no longer a mechanistic time, it is no longer the case that the Titanic crashes into an iceberg, breaks in two, everyone falls into the water (the poor first of all) and that is the catastrophe. Instead, the catastrophe is often invisible, or even no longer locatable, it is no longer in one place only. It is always a matter of definition, and it is al- ways up for discussion: is there radiation now? Is there too much fine dust in the air? Is this a riot or is it staged? And how can I have no opinion without being ignorant? 
I am seldom interested in political or climate-political, critical art. I am not particularly interested in art that educates through information. In my opinion art operates on a different level. Art is omnivorous, one might even say cannibalistic: it can feed on anything, it can penetrate almost anything, it helps us escape the madness of the predictable. 
Conversely, I see that it is attractive for other disciplines such as philosophy, politics, the development of goods and also for activism. How tempting it must be for other disciplines to try to invade it. They use the tools of art, because their space is be- coming increasingly narrow due to the crushing machinery of appraisal. 
I think art is a place where we can encounter each other in a frag- ile state. There is no way to gauge what happens between us when we meet through art. It offers tools for our existence as witnesses. We are able to collect experiences without distorting them through concepts or fixed terms. In this sense, I believe that art can help us to deal with contexts that we can hardly comprehend and with the bewildering present. Not because artworks would explain the hidden connections to us, like good illustrative material, but because they give us a space in which the ambiguity and confusion of our own language and existence are bearable. 
I grew up near Gorleben, where radioactive waste is deposited. There were constant protests, and this idea of the atom was a threat to me as a child. These are experiences that keep coming back. (It seems impossible to entirely dissociate one’s work from one’s own biography.) 
Art can be a means to – this may sound paradoxical at first – get hold of the disquiet and endure it. To approach the uncanny with- out immediately naming or condemning it, but rather to create a space for it, in which storytelling, fiction, deceptions and the quest itself also have their place. Within art it is possible to be a witness, the uncanny loses some of its horror, and the collective contemplation provides time and prevents blind action. There is something in this fragile communication where we can meet without knowing each other, and sometimes this makes the world more livable. 

M: Some artists work with new materials that cost a fortune. That is not the kind of material you are interested in. You’re talk- ing about dust, light, everyday things. When you walk through an art museum and you see powerful settings of form and colour, can you relate to that in any sense? Or do you prefer to look whether the glass facade is clean and how the smears shimmer in the light? 

L: Yes, mostly. Most of the time I look the other way. 

M: May I ask you what you found out for yourself while you were looking the other way here in Nuremberg? Did you find something out? 

L: I have actually always thought of myself as a person or artist who is relatively open. It struck me how limited the space I explore actually was. It is difficult to explain. When you go off and say: I am really trying to torpedo myself, to undermine myself, to disorient myself – not destructively, i.e. not self-destructively – to find the places where it becomes strange to me when I do this or that. I reached the limit of the thought space where I feel competent much faster than I had thought. Oh God, I feel totally diffuse in this situation, and that one too. 
I have been doing an exercise similar to the one here in the studio for several years now. On a chosen day, I do all the things I never do. Breakfast at McDonalds, then for example a visit to an expensive shoe store or I try on lingerie. Then I go to the business school, I sit down in the auditorium in the Red Bull Hall, and so on ... 
Where do I feel uncomfortable? Really uncomfortable and uncool, stupid, alienated. And where do I actually make a fool of myself for clinging to some idea? I feel this could be a great exercise for other people too. 
When a friend visited me in the studio and I said to her: »They’re not really my taste or my style, these pictures«, she said that they’re surely nobody’s taste. I had laugh, bursting with with fear, for a long time. 
In my insecurity I asked myself how I could capture this difficult situation and how I should make something out of it? It seemed almost impossible to me. I think this is also an important point that I have drawn from this undertaking. To really translate this experience into another format, into an exhibition or into a paint- ing, is incredibly difficult. There is an irony in it and a shivering. I’m sure there are people who can do that. Maybe it would be easier to do it as a performance. I don’t know. It is not about me personally, it is more about me as a tool or instrument. 

M: There is a shivering in it ...? 

L: You are so helpless, standing there without anything. This moment really exists: when nobody can help you. The loneliness fuses with your own identity, and then you magnify it and try to get rid of it at the same time. In a residency fellowship this is especially extreme: I travel five hours by train to another city where I know nobody and where I am nobody, and I go to an empty studio house at night, and I sit there in the empty neon chamber and do whatever. Like a lab rat who has to think up everything she does there by herself, everything she does to herself and to the things. This triggers an impulse to flee into skills and into 
what is familiar, into making sense. A work ethic sets in. You take up a whole room, you sit there and you paint ugly water colours. You get money, but there is no clear assignment, though there are expectations. It seems easier when one is not getting paid, but then it is impossible in another way. Do I have to produce some- thing now that means something to other people? Do I need to deal with the world history, or respond to someone, or an imaginary interrogator? That, too, would be an escape. One then flees into what is relevant, or what one thinks is relevant, or one wants to be driven into it by some authority. 
This point needs to be overcome. There are far too many self-formulated laws which do not get us any further. Which do not bring us any closer to what is at stake. Perhaps what I have implemented here could best be translated into a game manual. Against some form of inner efficiency or the will to create meaning by producing oneself through one’s opinion and against the will to create relevance in order to secure a place on the ranking slide. The underlying question is why do I construct a reason for the things I do and for whom? 

M: I have seen many artists, also during press conferences. Some- times it annoyed me when the artists were their own vacuum cleaner salesmen and delivered the interpretation of their works before you saw them. But someone who, like you, opens up this situation and shows herself in all her uncertainty and ambiguity, or almost turns this into a concept, I honestly have not encountered that in such a radical way. And I am also one of those insti- tute directors. Who am I? I sit here in the front. But I am not any wiser. One is often so caught up in attributions. The question is what power they gain over us. 

L: Oh, I do have an impulse to strive in me. In my observation, when this impulse becomes active, my actions become somewhat boring. Because then they are controlled and put on display: I can do this, I am good, intelligent, smart, or more essentially: I am me. I am in control. It is the idea of mastery that seems fatal to me in many ways. Not being able to control a situation is actually much more interesting. We always discipline ourselves in many ways, including those in which something gets lost through discipline and mastery. Not being able to control a situation and to acknowledge that is precisely what allows us to look further, to avoid coming to an endpoint of an opinion. After all, we are not looking for an endpoint, are we, but for a continuation of life and thinking, I hope. 

POEMS

Freunde am Spatzentisch

Ich gehe in die Mitte des Tages,

einen Blick auf die Außenfeuer werfen.
Ihr Verlangen nach dem Verlangen.
Kohlenstoff im Leben, Fliegendes, Bestien!
Schwere Verluste.

»Geliebte Freunde am Spatzentisch,
ich werde es mir mit dem Feuer gut gehen lassen.«

Das Handwasch-Lied singend,
alberne Haare und Füße.

Ich bin bereit,
euch ein Leben lang zu füttern.




Friends at the Sparrow’s Table

I turn towards the middle of the day
To take a glimpse at the outer fires.
At their desire for desire.

Carbon bound in life,

flying Beasts!
Heavy losses.

»Beloved friends at the sparrow’s table,
I will take good care of myself with the fire.«

Singing the handwash song,
silly hair and foolish feet,

I am ready

To feed you for as long as a life.

Geparde

Text auf dem Bett gelesen,
ein Spuk in meinem Geist.

Der Kampf hat seit mehr als einem Monat,
vom zitternden Herzen bis zum gestrigen Ausbruch von
krasser Gewalt, eine andere Aussicht:

Die Entschlossenheit, formlos zu sein.

Niemand zu sein an dem Ort, wo ich wohne.
Politisch falsch ausgesucht.

Schwarze Kleidung
Helme
Augenmasken
Klammern
Kupferdraht
Leder
Kleber
ist nicht unsere Sommerkleidung.
Der Stock ist die Menge der Menge.

Die nicht wechselseitige Behandlung von Angst,
ging über in den wandernden Blick
und ohne Reue in die Nacht.

(Im Moment muss ich mehr freundlich und freundlicher sein.
Kraft des Schutzes, der festen Ausdauer, der schnellen Belastung
und des richtig gewählten Zeitpunkts.)

Es häufen sich
Stück für Stück
die Zaumzeuge
bis zu dem Tag
an dem die Glut aufsteigt.

In unserem Bewusstsein ist der blinde Fleck ein Spielfeld.

Cheetah

Having read a text on the bed,
a spectre in my mind.
Since more than a month already,
from the trembling heart to yesterday’s outbreak of blatant violence,
the struggle has a different prospect:
the determination to be shapeless.
To be nobody in the place where I live.
Politically wrong selected.

Black clothing
Helmets
Eye masks
Clips
Tinfoil
Leather
Glue
is not our summer clothes.

The stick is the set of the crowd.
The non-reciprocal treatment of fear
devolved into a wandering gaze
and into the night without remorse.

(At the moment I have to be more friendly and friendlier.
By virtue of protection, firm endurance, swift application of stress
and the right time.)

Pile up
the bridles
bit by bit
until the day
when the embers rise.

In our consciousness the blind spot is a playing field.

18 Gebiete

Überall,
in den 18 Gebieten des täglichen Lebens,
blühen.
Zarter Saum der Täuschung,
Elektronische Streichhölzer setzten ihn in Brand.
Vor dem Arbeitsamt blühen.
Im Strohfeuer glühen.
Über dem Küchentisch blühen und schweigen.
Ins Abwaschwasser hineinglühen,
wie ein Mensch, der sich zwingt keine Meinung zu haben.
Zur Mitte hin brennen die Augen.
Dreitausend Pinselstriche über das Blatt treiben,
sich selbst vertreiben und blühen.
Ein selbstgefertigtes Halbfertigprodukt,
eine halbe Tasse Tee.
Offensichtliche Grundvoraussetzungen.
In der Tat ist hier
ein ausgeweideter Geist ohne Magenschmerzen gefunden worden.
Er versäumte die Trauben der Wut zu ernten,
wieder vertäut sich sein Aufruhr im Wind.
Oder ist es schon der Wiedergänger,
der alleine in dunklen Wellen treibt?
Und ohne zu zögern am hohen Aufstieg
in andere Körper fällt?
Es stellt sich heraus, dass es Licht ohne Ruhe gibt.
Auch wenn aus dem Himmel eine Schachtel Erbsen fallen würde,                        wäre das ok.

18 Districts

To bloom
everywhere
within the 18 districts of daily life.

Delicate hem of deception,
electronic matches set it on fire.

To bloom in front of the labor office.
Glow in the straw fire.
Blossom and remain silent above the kitchen table.
Glow into the washing-up water
like a person who forces herself to not have an opinion.
The eyes burn in the middle.

Drift three thousand brushstrokes over the sheet,
drive yourself away
and bloom.

A self-made semi-finished product,
half a cup of tea.

Obvious basic requirements.

In fact, a gutted ghost without stomach pain has been found here.
It failed to harvest the grapes of rage,
again his turmoil moored in the wind.
Or is it already the revenant
who floats alone in dark waves?
And without hesitation on the high rise
Plunges down into another’s tissue?

It turns out that there is light without rest.
Even if a box of peas fell from the sky,
that would be ok.

Hohe Wände

Heute ist der zweite Tag der dicken Mauer.
Nur Eier und hohe Wände stehen auf der Seite des Eis.
Wir müssen uns vorbereiten und alleine sein,
uns reinigen und die Miete bezahlen.
So viele Eier müssen Mauern bauen
und wagen, sich zum Werkzeug zu machen.

Wussten Sie, dass wir nichts umsonst tun?
Denken Sie, wir verkaufen Blumen wie Blumen?

Alles versucht, Wörter zu rekrutieren.
Verpulverte Meinungen und Schwerkraft,
die wir zu ertragen haben.

Diese Munition reitet die Leute.
Sie ist durch sich selbst in Gefahr, den Inhalt zu verlieren.
So wie schnelle Hülsen ohne Füllung ankommen,
lassen sie Entzündungen zurück.

Aus der Leere-Muscheln-Firma antwortet es:
Pfft.

Anstatt zu sagen: »Dieser Ort braucht mich.«

Warum nicht sagen: »Ich brauche einen Ort, an dem ich mich
selbst brauche?«
Das Ei zerbrechen.

Einmal

– später –

gingen die dann Enttarnten direkt nach Hause.

Sie waren erstaunt, wie wenig enttäuscht sie waren.
Die Blätter wurden braun,
die Wände gelb und grau,
als das Gewicht abfiel.

Noch immer sind wir Behälter von Licht und Salz.

High Walls

Today is the second day of the thick wall.
Only eggs and high walls are on the side of the egg.
We have to brace ourselves and be alone,
clean ourselves and pay the rent.

So many eggs have to build walls and still take a risk
and dare to exploit themselves.
To become an instrument for the currents.

Did you know that we do not undertake anything for nothing?
Do you think we sell flowers like flowers?

Everything tries to recruit words.
Powdered opinions and gravity that we have to endure.
This ammunition rides the people.
It endangers itself to lose its content.
Just as fast cartridge cases arrive without filling,
they leave inflammations behind.

From the empty shell factory it answers:
Pfft.

Instead of saying, »This place needs me.«
why not say, »I need a place where I need myself?«

Break the egg.

Once

– later –

the uncovered ones went straight home.

They were amazed at how little disappointed they were.
The leaves turned brown,
the walls turned yellow and gray
as the weight dropped.
We still are containers of light and salt.

Engel in der Kuppel

Vielleicht an der Kleiderordnung ersichtlich,
Menschen die Obst lieben.
Vor allem solches mit feinem Duft.
Die Ärmel sagen, dass sie freundlich und geduldig sind.
Bereit anderen zu helfen, auch wenn sie ihre Hilfe nicht anbieten
und sich in Schwierigkeiten bringen,
wenn sie eine Untersuchung planen.

Sie haben Persönlichkeit, aber nur andeutungsweise
und verfügen über sich, wie über ein Gefäß.

Luft ist in Abendsonnenschleiern um ihre Füße gelegt.
Als solide Existenz eines unwirklichen Schattens
schauen sie herab zu uns.

Im unteren Bereich der Kuppelgeschichte
sehen meiste Leute gelangweilt aus, wie auf einer Party.

Wenn sie Angst haben zu tanzen, bemühen sie sich gut zu riechen.
Es ist eine Vernebelungsstrategie.

Die Kameraden lachen alle,
aber einige lachen nur, wenn sie andere lachen sehen.

Ich sehe dein Lachen als etwas anderes.
Sein Echo hat sich fein verteilt.

Du hast viele Augen.

Gemalte.

Es ist Weihrauch,
wenn auf der Suche nach einem Waffenlager
in einem anderen Gesicht,
der Ausdruck des Erstaunens mir begegnet.

Auf der Suche nach einer Duftmenge gingen wir nach draußen.
Ich möchte festhalten, dass die Menge selbst duftend ist
und aufsteigt,
sie kondensiert im Gewölbe.
Ihre Stimmen streben nach der Unwilligkeit, sich zu verfestigen.
Ich frage mich wie, wenn nicht im Zusammensein mit Fremden,
könnte es in meinem Kopf bequem werden?
Das würde es nicht.

Angels in the Dome

Perhaps you can make them out by the garments,
people who love fruit.
Especially those with a fine fragrance.

The sleeves suggest that they are kind and patient.
Willing to help others even if they don’t offer their help
and get in trouble when planning an examination.

They have a personality, but only in outlines,
they own themselves like a vessel.
The air lingers around their feet in evening sun veils.

As a solid existence of an unreal shadow
they look down on us.

Beneath this pivot story of the dome
most people look bored, like at a party.

If you are afraid to dance, try to smell good.
It is a nebulisation strategy.

The comrades all laugh,
but some only laugh when they see others laughing.

For me, your laugh is something else.
Its echo was spread out finely.

You have many eyes.
Painted ones.
It is incense
when looking for a weapon store
in another one’s face
I find the expression of astonishment.
Looking for a scent-amount we went outside.

I want to note that the crowd itself is fragrant.
It rises,
condenses in the vault.
All the voices strive towards the unwillingness to solidify.

I wonder how, if not in the company of strangers,
could it be comfortable in my head?

It wouldn’t.